David Dekorsi.

Widerworte

Der deutsche Liberalismus ist tot

denn die FDP hat ihn getötet

September 2026 16 Minuten Lesezeit Erstveröffentlichung

Der deutsche Liberalismus ist tot. Sein Mörder trägt Maßanzug, ist abgelichtet in Schwarz-Weiß und hat drei Buchstaben: FDP. Die FDP hat sich nicht nur selbst abgeschafft, sie hat auch den Liberalismus in Deutschland verbrannt. Was zurückbleibt, kommen kann und kommen muss, soll hier geklärt werden.

I. Die zwei Flügel

Die FDP hat sich nie für einen Liberalismus entschieden. Über Jahrzehnte war sie die dritte Partei, die Partei, die entscheiden konnte: „machen wir es mit den Sozis oder den Konservativen". Gut, wenn man flexibel blieb, um keine Regierung aus Überzeugungsgründen zu verpassen. Überzeugungen stünden einer Regierungsbeteiligung zu oft im Weg.

Die FDP war nie genuin liberal, sondern stets ein Chamäleon, und als sie endlich frei hätte sein können, hat sie sich in ihr Spiegelbild verliebt. Sie hat sich nie entschieden, ob sie eine konservativ-liberale oder eine sozialliberale Partei sein will. Sie entschied sich nach dem Desaster von 2013 für ein „weder-noch". Sie entschied sich für Lindner-liberal, beziehungsweise die Marke CL. Die Idee: starke Rhetorik und feinste Ergüsse von Marketing-Agenturen, garniert mit Hochglanzfotos, sollten der Kitt sein, der die beiden Strömungen zusammenhält. Die Ampel war die Zerreißprobe, die das System Lindner nicht mehr überstanden hat. Der deutsche Liberalismus wurde zwischen Selbstvermarktung und Selbstverleugnung zerrieben.

Was hier dauerhaft in einem Spannungsverhältnis stand, waren zwei unterschiedliche Freiheitsverständnisse, die in der FDP lange unter einem Dach wohnten. Da ist erstens der wirtschafts- bzw. nationalliberale Flügel, der konservativ-liberale: Er denkt Freiheit vor allem als Entlastung der Bürger, weniger Steuern, weniger Bürokratie, also weniger Staat, mehr Raum für Markt, Unternehmertum und Wettbewerb, mehr Eigenverantwortung. In vielen wirtschafts- und ordnungspolitischen Fragen steht er traditionell näher bei CDU und CSU; seine Gegner nennen ihn „marktradikal" oder „unternehmensnah", er selbst beruft sich lieber auf ordoliberale Traditionen: Der Staat soll nicht lenken, sondern Regeln setzen, damit Wettbewerb Marktmacht bändigt und damit dem Konsumenten genauso dient wie dem Investor.

Dem gegenüber steht der sozial- bzw. bürgerrechtlich-liberale Flügel, der sozialliberale: Für ihn beginnt Freiheit beim Schutz des Einzelnen vor Übergriff, Kontrolle und Bevormundung. Bürgerrechte, Freiheitsrechte, Rechtsstaatlichkeit, das ist hier nicht Beiwerk, sondern Kern. Entsprechend ist dieser Flügel in Gesellschafts-, Innen- und Rechtspolitik offener, oft progressiver, und er knüpft an die Tradition der sozialliberalen Jahre an, Brandt/Scheel, Schmidt/Genscher, als Liberalismus weniger als Steuersenkungsprogramm erschien, sondern als Modernisierung von Staat und Gesellschaft.

Konservativ-Wirtschaftsliberale und Sozial-/Bürgerrechtsliberale sind wie zwei Geschwister, die in derselben Familie aufgewachsen sind, mit denselben Genen im Stammbuch, aber unterschiedlichen Lebensentwürfen, Freunden und Bedürfnissen. Wenn beide heute über Freiheit sprechen, benutzen sie dasselbe Wort, hören aber unterschiedliche Melodien und haben andere Bilder im Kopf. Sie meinen nicht dasselbe.

Gerade weil beide dasselbe Wort und das gleiche Vokabular benutzen, braucht es einen Moment begrifflicher Nüchternheit. Liberalismus ist im Kern Misstrauen gegen Macht, egal, ob sie in einem Ministerium sitzt, in mahagonitischen Konzernzentralen, in Parteigremien oder in moralisch einfältigen Bewegungen. Gemeint ist damit Liberalismus in einer klassischen, institutionellen Tradition: bei Montesquieu als Lehre von der Gewaltenteilung und der wechselseitigen Machtbegrenzung, bei James Madison als Architektur der „checks and balances", die Ehrgeiz mit Ehrgeiz bremst, und bei Karl Popper als nüchterne Frage, wie man politische Institutionen so baut, dass böswillige und ungeeignete Herrscher möglichst wenig Schaden anrichten können. Darum „liebt" Liberalismus unabhängige Gerichte, Grundrechte, freie Medien und offene Märkte. Nicht, weil Märkte heilig wären, sondern weil Konkurrenz Macht zerlegt und weil auch ökonomische Machtbegrenzung eine Freiheitsbedingung ist.

II. Ein kurzer Blick zurück

2009, 2013: Höhenflug und Erwartungsbruch

2009 war der große FDP-Moment. Guido Westerwelle gelang es im Wahlkampf, dem Bürger „Freiheit" nicht nur als Alternative zu Konservatismus oder Sozialdemokratie zu verkaufen, sondern als Lebensgefühl, als Versprechen auf Entlastung, Aufstieg, Selbstbestimmung. Der Liberalismus klang plötzlich nicht nach elitärem Seminarraum, sondern nach Alltag, nach einem Alltag, der besser ist.

Umso brutaler war der Absturz in der Regierungswirklichkeit. In der Koalition mit den Christdemokraten kam von diesem Freiheitsversprechen kaum etwas sichtbar „auf die Straße": zu wenig Substanz, zu viel Klein-Klein, zu wenig liberale Handschrift, die über Steuersätze und Klientelpolitik hinausreicht. Der Erwartungsüberschuss aus dem Wahlkampf traf auf eine Partei, die zwar Freiheit behauptete, aber sie in der Praxis nicht in politische Erzählung und Reformen übersetzen konnte.

Schon in diesen Jahren fiel deshalb nicht nur die FDP der FDP zum Opfer, sondern auch der Liberalismusbegriff als solcher. Wenn Freiheit erst zum Verkaufsargument gemacht wird und dann im Regierungshandwerk verdunstet, bleibt beim Publikum nicht Skepsis gegenüber der Partei selbst zurück, sondern Misstrauen gegenüber der Idee.

2013, 2017: Markenaufbau „Lindner-Liberalismus"

2013 flog die FDP hochkant aus dem Bundestag, ein Schock, aber auch eine Chance. Das wäre der Moment gewesen, sich gesund zu schrumpfen, eine ehrliche Inventur zu machen und endlich die überfällige Frage zur Diskussion zu stellen: Welchen Liberalismus meint diese Partei eigentlich?

Aber das tat man nicht. Denn da kam die Lichtgestalt, die in den Büroräumen des nordrhein-westfälischen Landtages jahrelang mit Rhetoriktrainer und Maßschneider hochgezüchtet wurde. Vier Jahre APO, Schwarz-Weiß-Optik, Unternehmer, Porsche. Viel Leistung, wenig Steuern. Viel CSD, viel Gras. Vier Jahre reichten, um aus einer inhaltlich verunsicherten Partei eine ästhetisch disziplinierte Marke zu machen. Ein Liberalismus, der zugleich geschniegelt und modern wirken sollte, wirtschaftsfreundlich und urban-progressiv, ohne den Konflikt zwischen beiden wirklich auszutragen, ja auch nur zu benennen.

2017: Lieber nicht regieren, als ..., Prinzip oder Marketing?

Bundestagswahl 2017. Die FDP hatte Momentum. Viele neue Gesichter und erfahrene Veteranen zogen ins hohe Haus ein. Jamaika oder GroKo, das war hier die Frage. Niemand wollte GroKo, man erinnerte sich ja an die vorigen Jahre.

Und dann schreibt Christian Lindner Geschichte: „Lieber nicht regieren, als falsch regieren." Aus inhaltlicher Sicht absolut richtig, aus strategischer Sicht begann hier ein Muster, das sich als folgenreich erweisen sollte.

2017, 2021: Starke Opposition & Social-Media-Ästhetik

Vier Jahre Opposition mit viel Schwarz-Weiß, Unternehmer, Porsche und Hochglanzbildern. Viel Leistung, wenig Steuern. Viel CSD, viel Gras. Begriffe wie „Entfesselung", „Startup", „Eigenverantwortung" werden zu fast ersatz-religiösen Vokabeln ohne Wertefundament. Es ist Mode, es ist hip. Das alles hat vor allem bei jungen Menschen richtig gut funktioniert, siehe Europawahl 2019.

2021, 2025: Ampel-Eintritt und Schlussverkauf

2021 verbessert sich die FDP noch gegenüber 2017. Und dann wiederholt sich das Muster von 2017, nur diesmal in umgekehrter Richtung. Man hätte sich an die eigene Diagnose erinnern können: wie schwer liberale Politik in einem Bündnis mit den Grünen abbildbar sein würde. Man tat es nicht. Man wollte Minister werden.

Denn hätte in den entscheidenden Tagen jemand die einfache Frage gestellt, wie diese SPD und diese Grüne zum Liberalismus passen, wäre die Antwort schnell klar gewesen: eigentlich gar nicht. Der Markenkern dieser Parteien ist nicht Machtbegrenzung, sondern Machtgestaltung; nicht Vertrauen in Eigenverantwortung und Selbststeuerung, sondern der Reflex, Probleme mit Programmen, Regeln und Umverteilung zu beantworten. Die FDP versuchte das mit einem Narrativ zu übertünchen: „Ohne uns wäre es noch viel schlimmer." Schwach angefangen, sehr stark nachgelassen.

Ampel-aus, FDP raus. Hochkant mit 4,3 % aus dem deutschen Bundestag. Kein Mandat mehr für den politisch organisierten Liberalismus.

Nach der Bundestagswahl 2025: Abwicklung

Lindner tritt zurück. Was bleibt? Keine erkennbare Schule, kein belastbares Programm, kein Nachwuchs, kein Personal, das mehr ist als Auswechselspieler zweiter oder dritter Garde.

Man entscheidet sich nicht für eine klare Richtung, sondern für den nächstbesten. Rein polit-strategisch: Wie kommt man eigentlich auf die Idee, bei einem riesigen Vakuum von liberal-konservativen Menschen, die die CDU nicht mehr wählen wollen, weil diese zu staatsnah ist, einen sozialliberalen CL-Abklatsch zum Vorsitzenden zu machen? Die FDP hat sich damit selbst endgültig aus dem Spiel genommen.

III. Bundestag ohne Liberalismus

Weil nicht einfach eine Partei fehlt, sondern ein Korrektiv. Im 21. Deutschen Bundestag sitzen nach der Wahl 2025 sieben Parteien: Union, SPD, Grüne, AfD, Linke und der SSW, aber keine Partei mehr, die irgendetwas mit Freiheit zu tun hat.

Noch schlimmer: Die Deutschen wissen nicht mehr, wie großartig Freiheit ist. In fast allen großen westlichen Demokratien gibt es relevante politische Kräfte, die Freiheit nicht nur als Etikett, sondern als Ordnungsidee verteidigen, gegen staatliche Übergriffigkeit, gegen moralische Pflichtpädagogik. Deutschland ist die merkwürdige Ausnahme.

Viele haben deshalb gelernt: Liberalismus sei schlicht das, was die FDP sagt, und Freiheit sei das, was auf ihren Plakaten steht. Und wenn das so ist, wird Liberalismus fast automatisch zum Klassenbild: etwas für Reiche, für „wenig Steuern" und „Porsche fahren". Dass das mit Liberalismus im eigentlichen Sinn nur am Rande zu tun hat, muss man jetzt mühsam wieder auseinanderziehen, den Menschen nahebringen und erklären. Nicht um die FDP zu rehabilitieren, sondern um die Idee zu retten.

IV. Ehrenrettung der FDP, Liberalismus war nie populär in Deutschland

Vielleicht ist die FDP gar nicht allein schuld. Was war vor der FDP, und warum brannte die Freiheitsflamme hier nie so hell wie anderswo?

Deutschlands Liberalismus startet ohne Gründungsmythos. Freiheit kommt nicht als Akt der Selbstermächtigung, nicht als „wir nehmen sie uns", wie in anderen Erfolgsgeschichten des Liberalismus, sondern als Privileg von Staates Gnaden, als Reform von oben. Diese Prägung macht den Liberalismus hierzulande von Anfang an zum Bildungsprogramm der Eliten, nicht zur Massenemotion.

1848/49 wäre der Moment gewesen, an dem ein liberaler Nationalstaat hätte entstehen können. Doch am Ende setzen sich Militär und Fürsten durch. Psychologisch bleibt eine Narbe: Der deutsche Liberalismus lernt, dass Revolution wenig bringt und Anpassung Einfluss sichert. Freiheit wird zur handelbaren Größe im Tausch mit der Macht, nicht zur unverhandelbaren Identität.

Als 1871 das Reich entsteht, ist es nicht die Krönung einer Bürgerbewegung, sondern das Resultat preußisch-militärischer Machtpolitik. Bismarcks Doppelstrategie, Repression gegenüber Gegnern und gleichzeitig der frühe Wohlfahrtsstaat, setzt die implizite Botschaft: Loyalität gilt dem starken Staat, der nach außen schützt und nach innen versorgt. In diesem Setting wirkt Liberalismus zwar freundlich, doch zweitrangig.

Die Weimarer Republik bringt den ersten Versuch einer liberal-demokratischen Ordnung, und erlebt ihn unter widrigsten Bedingungen. Liberale Parteien zeigen sich zersplittert, klein, professoral, bürgerfern. In der Massenerfahrung verbindet sich „Demokratie" mit Unsicherheit und Instabilität. Dann der Nationalsozialismus: ein Vernichtungskrieg gegen den Liberalismus.

Nach 1945 entsteht die freiheitliche Ordnung neu, aber die Leitmotive der alten Bundesrepublik heißen: „Nie wieder Krieg", „Stabilität" und „Wohlstand für alle". Sicherheit und Sozialstaat dominieren, weniger das Pathos individuellen Risikos. Der Liberalismus steckt zwar im Rechtsstaat, in der Grundrechtearchitektur, aber als technische Grundlage, nicht als Erzählung.

Der Liberalismus in Deutschland ist nie zur Massenbewegung geworden, weil er historisch fast nie als triumphale Erfahrung erlebt wurde, sondern als akademisches Projekt, gefährliches Zwischenspiel oder importierte Lehre. Wo andere Länder Freiheit als stolze Gründungserzählung feiern, haben wir sie vor allem als Lektion, Regelwerk und Abwehrreaktion gegen das Schlimmste gelernt.

Im Kontrast dazu stehen andere westliche Demokratien, die Freiheit stärker als Gründungserzählung internalisiert haben. In den angelsächsischen Traditionen ist Misstrauen gegen staatliche Macht historisch tiefer verankert; Freiheit wird eher als Abwehrrecht gegen den Leviathan verstanden. In nordischen Demokratien ist der Staat zwar stark, aber als Dienstleister legitimiert, nicht als moralischer Vormund. In romanischen Ländern speist sich Freiheit häufiger aus republikanischen oder revolutionären Erfahrungen: als politischer Stolz, als Bürgerstatus, als öffentlich erkämpfte Selbstbehauptung.

Das erklärt, warum Liberalismus hier so oft entweder als Elitenprojekt klingt oder als „neoliberales" Schimpfwort endet: Eine Gesellschaft, die sich politisch als Versicherungsnehmer versteht, tut sich schwer mit einer Idee, die Bürger als Risikoträger und Verantwortungsträger ernst nimmt.

Conclusio

In Deutschland war Liberalismus nie Volksbewegung, sondern Elitenprojekt. Das erklärt zwar seine historische und heutige Blässe, entschuldigt aber nicht, was die FDP daraus gemacht hat. Denn man muss ihr vorwerfen, den Liberalismusbegriff für viele Deutsche nachhaltig beschädigt zu haben. Opportunismus funktioniert eine Weile, manchmal sogar erstaunlich lange. Nachhaltig ist er nie.

Der deutsche Liberalismus ist nicht an seinen Gegnern gestorben, sondern an seiner parteipolitischen Selbstverwechslung. Die FDP hat ihre Marke über die Idee geschoben und schließlich beides zugleich entwertet, statt die Idee des Liberalismus in der Mitte der Gesellschaft zu verpflanzen, wo ich hochfruchtbaren Boden vermute.

Liberalismus ist mehr als das, was die FDP daraus gemacht hat. Er ist eine Idee, die sich an einem harten Test messen lassen muss: Begrenzt er Herrschaft und Machtkonzentration und stärkt er die Handlungsfähigkeit des Einzelnen? Wo das gelingt, entstehen Freiheit und Ordnung: aus einem Rechtsstaat, der schützt; aus Eigentum, das unabhängig macht; aus Wettbewerb, der Privilegien bricht; und aus mündigen Bürgern, die den Staat kontrollieren, nicht andersherum.

Wer heute Liberalismus will, muss die FDP hinter sich lassen. Der Liberalismus ist nicht tot; er ist nur nicht länger FDP-kompatibel. Die FDP ist Geschichte. Der Liberalismus nicht.

Ausblick

Ohne die FDP ist der Weg frei für neue liberale Parteien, und zugleich ist er unfreiwillig lehrreich. Denn das, was dem Liberalismus in Deutschland gerade am meisten helfen könnte, ist ausgerechnet seine Abwesenheit: Erst wenn im Bundestag niemand mehr zuverlässig für Machtbegrenzung, Regelbindung und Zuständigkeitsdisziplin streitet, merkt man, wie Politik ohne liberales Korrektiv funktioniert. Es passiert kein spektakulärer Putsch, es passiert peu à peu.

Freiheit stirbt immer zentimeterweise. Sie verschwindet selten mit einem großen Knall, sie wird kleiner durch das Zusammenspiel von gut gemeinten Eingriffen, dauerhaften Ausnahmen, wachsenden Berichtspflichten, immer neuen Kontrollbefugnissen. Ein Staat, dem man einmal Macht eingeräumt hat, gibt sie nur höchst ungern zurück.

Gerade diese Erfahrung kann, und ich glaube fest daran: sie wird, eine Sehnsucht nach Freiheit neu wecken. Die Wiederentdeckung der eigenen Mündigkeit. Menschen merken, dass ihr Alltag nicht besser wird, wenn alles verwaltet, reguliert und abgesichert wird; dass Wohlstand nicht aus Förderprogrammen und Sozialleistungen wächst, sondern aus Leistung, Wettbewerb, Innovation; dass Selbstwirksamkeit nicht entsteht, wenn man Bürger zu Adressaten staatlicher Fürsorge degradiert, sondern wenn man ihnen zutraut, ihr Leben zu führen, mit Risiko, aber auch mit Würde.

Aus dieser Stimmung kann eine Bewegung entstehen. Ich denke, wenige Funken reichen, weil viele längst trockenes Material sind. Eine neue liberale Partei hätte eine einfache, konsequente DNA: ein Rechtsstaat, der Sicherheit und Recht garantiert, aber sich aus Lebensführung und Wirtschaftssteuerung heraushält; eine Ordnungspolitik, die Wettbewerb schützt, Monopole bekämpft und Subventionsfilz zurückdrängt; ein Sozialstaat, der befähigt statt betreut, Anreize setzt statt Abhängigkeiten zu verlängern.

Der Liberalismus in Deutschland ist nicht tot, er ist noch gar nicht richtig geboren. Und gerade deshalb lohnt Hoffnung: weil nichts den Menschen so sehr aufrichtet wie die Sehnsucht nach Freiheit in einem eingesperrten Land.

Anmerkungen

Alle historischen Bezüge und Wahldaten beziehen sich auf öffentlich zugängliche Quellen. Angaben zu Wahlergebnissen entstammen amtlichen Bundeswahlleiterdaten. Historische Einordnungen folgen der einschlägigen Forschungsliteratur zum deutschen Liberalismus. Einzelnachweise auf Anfrage.

David Dekorsi

Publizist für Generationengerechtigkeit, Wirtschaft und christliche Sozialethik. Er schreibt die Kolumne HeuteÜberMorgen in IDEA. Anfragen und Kontakt.

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